Arigato Danke

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Ari-gatai —— Danke

Jede Kultur hat die Worte, die sie sich macht. Da ist ein Kulturvergleich manchmal sehr spannend. Das deutsche Wort „danke“ zum Beispiel bedeutete ursprünglich „Denken, Gedenken“ und bezeichnet damit „das mit dem (Ge)Denken verbundene Gefühl und die Äusserung dankbarer Gesinnung“. „Danke“ hat also etwas zu tun mit „an etwas dankbar denken“.

Ganz anders im Japanischen, das mir sehr nahe liegt. Im Japanischen heisst „danke“ arigato, ein Wort, das aus dem buddhistischen Denken kommt. Dieses Wort setzt sich eigentlich aus zwei Wörtern zusammen, aus „ari“ und „gatai„. „ari“ bedeutet „sein“ und „gatai“ heisst „schwer“. „Arigatai“ wird dann verwendet, wenn etwas Seltenes, Ungewöhnliches passiert. Daraus, aus diesem Seltenen, Ungewöhnlichem, erwächst ein Gefühl der Dankbarkeit und man sagt „arigato„.

Gestern war ich im Wienerwald wandern. Ich hatte mir vorgenommen den Pilgerweg von Wien nach Mariazell in Etappen zu gehen. Meinen kleinen Smart stellte ich vor der Wallfahrtskirche in der kleinen Ortschaft Hafnerberg ab und ging mehrere Stunden nach Klein Mariazell den Berg hinauf und dann weiter nach Kaumberg. Von dort wollte ich um 18 Uhr den Bus zurück nehmen – die letzte Chance, denn danach gab es keinen mehr.

Ich dachte, ich hätte viel, viel Zeit, doch wurde sie mir immer knapper. Einige Bäume waren gefällt worden, die Markierung war dadurch weg und ich verlief mich. Trotzdem – oh Wunder – kam ich genau richtig knapp vor 18 Uhr zur Busstation. Wunderbar. Erleichtert liess ich mich in den Sitz fallen. Nun musste ich nur noch ins Auto und nach Hause zischen. Beim Smart angekommen, drückte ich beschwingt den elektronischen Knopf am Schlüssel und  –  nichts rührte sich, das Auto ging nicht auf.

Gott sei Dank aber gibt es in diesen Elektronikwunderwuzziautos auch ein Schloss für die Hecktüre. Also kletterte ich von hinten durch den Kofferraum hinein. Ich wollte starten, aber wiederum ging nichts. Wer könnte mir helfen? Das Dorf war ausgestorben, die zwei Gasthöfe hatten geschlossen. Kein Mensch auf der Strasse. Es blieb mir nur übrig, zur Bundesstrasse zu gehen und ein Auto aufzuhalten. Ich stieg aus – und in diesem Moment kam ein Mann aus der Kirche. Er erwies sich als sehr, sehr hilfsbereit. Er fuhr nach Hause, holte Starterkabel, und wir versuchten, die Batterie aufzuladen. Leider bewegte sich immer noch nichts. Die Batterie war es also nicht. Der nette Mann rief einen Freund an, der Mechaniker ist. Dieser kam, obwohl er im Zeitdruck war mit seinen drei Kindern im Auto, schaute sich das Ganze an und konstatierte: „DIESE Elektronik! Ich vermute, der Code in Ihrem Schlüssel passt nicht mehr zum Code im Auto. Haben Sie einen Ersatzschlüssel?“ Ja schon, aber mit?

Ich rief also meinen Mann an und bat ihn, herzukommen. Er hatte Glück und unser Nachbar war so nett und lieh ihm seinen Wagen, etwas, womit er kaum gerechnet hatte, denn es handelt sich um einen sehr teuren Super-Super-Wagen. Er steckte seinen Schlüssel in das Zündschloss und der Wagen sprang an. So endete dieses Problem mit  großer Erleichterung: wahrlich ein Anlass für „arigato„!

Etwas sehr Ungewöhnliches hatte sich ereignet. Der Mann aus der Kirche, der Mechaniker-Freund und unser Nachbar, mein Gefährte -– alle haben zusammengeholfen, damit ich nach Hause kommen konnte. Wunderbar – ich fühlte mich in dieser Welt aufgehoben!

Da fiel mir das Wort meines Zen-Roshi ein, der meinte, je länger man Zen praktiziere, desto öfter passieren wunderbare, geheimnisvolle Ereignisse; desto öfter habe man Anlass um „arigato“ zusagen.

Habt auch Ihr schon solche Erfahrungen gemacht?

Ein Kommentar zu “Arigato Danke

  1. „Verstehen wir jedoch das Gedächtnis aus dem alten Wort ‚der Gedanc‘, dann geht uns auch sogleich der Zusammenhang zwischen Gedächtnis und Dank auf. Denn im Dank gedenkt das Gemüt dessen, worein es versammelt bleibt, insofern es dahin gehört. Dieses andenkende Gedenken ist der ursprüngliche Dank.
    Was das Wort ‚Denken‘ sagt, das hören wir vom anfänglichen Wort ‚der Gedanc‘ her. Diese Art zu hören, entspricht dem Wesenssachverhalt, den das Wort ‚Gedanc‘ nennt. Diese Art zu hören, ist die maßgebende. Wir verstehen dabei das, was ‚Denken‘ heißt, aus dem Gedanc. Dagegen meinen wir nach dem uns geläufigen Sprachgebrauch, das Denken entspringe nicht aus dem Gedanken, sondern Gedanken entstünden allererst durch ein Denken.“ (Heidegger, GA 8, 150-151.)

    „Das Bedenklichste zeigt sich in unserer bedenklichen Zeit daran, daß wir noch nicht denken. Wir denken noch nicht, weil das zu-Denkende sich vom Menschen abwendet und keinesfalls nur deshalb, weil der Mensch sich dem zu-Denkenden nicht hin-reichend zuwendet. Das zu-Denkende wendet sich vom Menschen ab. Es entzieht sich ihm, indem es sich ihm vorenthält. Das Vorenthaltene aber ist uns stets schon vorgehalten. Was sich nach der Art des Vorhaltens entzieht, verschwindet nicht. Doch wie können wir von dem, was sich auf solche Weise entzieht, überhaupt das geringste wissen? Wie kommen wir darauf, es auch nur zu nennen? Was sich entzieht, versagt Ankunft. Allein – das Sichentziehen ist nicht nichts. Entzug ist hier Vorenthalt und ist als solcher – Ereignis.“ (Heidegger, GA 7, 134.)

    „Gedächtnis denkt an das Gedachte. Aber der Name der Mutter der Musen meint ‚Gedächtnis‘ nicht als ein beliebiges Denken an irgendwelches Denkbare. Gedächtnis ist hier die Versammlung des Denkens, das gesammelt bleibt auf das, woran im voraus schon gedacht ist, weil es allem zuvor stets bedacht sein möchte. Gedächtnis ist die Versammlung des Andenkens an das vor allem andere zu-Bedenkende. Diese Versammlung birgt bei sich und verbirgt in sich jenes, woran im vorhinein zu denken bleibt, bei allem, was west und sich als Wesendes und Gewesenes zuspricht. Gedächtnis, das gesammelte Andenken an das zu-Denkende, ist der Quellgrund des Dichtens. (ibid, 136.)

    »Ein Zeichen sind wir, deutungslos…« (Hölderlin)

    Wege, befreiend den Schritt zurück

    für seinen Gang,

    gerufen aus Anklang,

    geringem,

    aus anderer Gegend des An-fangs.

    Und wieder die Not

    zögernden Dunkels im wartenden Licht

    der entzogenen Lichtung
des noch sich verbergend-

    bergenden Vorenthalts:

    armutbereite Stätte sterblichen

    Wohnens.

    Doch kaum je gewährt ist
    
reines Ende den Wegen des Denkens.

    Es hieße:

    noch unterwegs.

    (off topic: Dann geh ich mal wieder bügeln. Vier Hemden warten noch!)

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