Wie ich den Anfängergeist im Weinberg entdeckte

Vor einigen Tagen entdeckte ich unerwartet meinen Anfängergeist zwischen Weinreben. Ich war mit meinem Liebsten aus der Stadt gefahren um das Nebelgrau der Häuser gegen die milde Dezembersonne eines nahen Weinortes einzutauschen. Wir spazierten durch die abgeernteten Weinberge und entdeckten … Weiterlesen

Was ist ein (Zen-) Meister?

Hat ein Hund die Zen-Meisterschaft?

Wuff!

Immer öfter bezeichnen mich Menschen als Zen-Meisterin. Kürzlich stand es in einem Magazin, auf Videos wurde ich so genannt und mündlich sowieso.  Besonders interessant fand ich, dass mich jemand „meine Zen-Meisterin“ nannte, so etwa wie „meine Personal Trainerin“. So als ob es heute dazugehörte, „seine Zen-Meisterin“ in der Nähe zu haben.

Ich bin keine Zen-Meisterin.

Doch woher kommt diese Bezeichnung?

Im japanischen Zen gibt es die Bezeichnung „Zen-Meister“ nicht. Es gibt Funktionsbezeichnungen wie z.B. Roshi oder Osho (Tempelvorsteher). Viele Roshis nennen sich aus Bescheidenheit Osho.

Im bekannten Koan Nr.1 der Sammlung Mumonkan heisst es: „Ein Mönch fragt Joshu: ‚Hat ein Hund Buddhanatur?'“ (Joshu osho, chinami ni so tou, Kusu ni kaette bussho ari ya?)… Dort ist Joshu nicht Zen-Meister, sondern Osho, so wie alle „Zen-Meister“ in den Koan-Sammlungen. Nur Bodhidharma heisst Daishi, „Grosser Lehrer“.

Trotzdem sprechen wir im Deutschen und Englischen von Zen-Meistern. Wussten Sie, dass das eine recht junge Bezeichnung ist? Im englischen Wikipedia heisst es: „Zen master is a somewhat vague English term that arose in the first half of the 20th century…“ Die Bezeichnung ist also vage und noch gar nicht alt.

Was ist ein Meister im Deutschen? Es gibt in vielen Berufen Meister, es gibt Malermeister, Kapellmeister, Zeremonienmeister, Kerkermeister und  Bürgermeister. Schon im Althochdeutschen gab es den „Meistar“, der mit dem lateinischen Magister zusammenhängt. Damit wurden leitende Handwerker bezeichnet.

Im allgemeinen bezeichnet man laut Verein für deutsche Sprache jemanden, dem die Aufsicht oder die Leitung von etwas betraut ist. Die Art des Anvertrauten wird durch Zusammensetzung wiedergegeben (vgl. Kerkermeister, Stallmeister).

Vom Gebrauch dieser Bezeichnungen zu schließen, wäre ein Zen-Meister dann jemand, der einem Zen-Zentrum oder Zen-Kloster vorsteht.  Ein Lehrer oder Leiter.

Doch schwingt noch ein zweiter Aspekt mit. Es ist das Meistern und die Meisterschaft und dass jemand „ausgelernt“ hat.  Ja, es gibt Curricula und äussere Faktoren, nach denen die Ausbildung auch im Zen beurteilt werden kann. Doch nur um die Ausbildung geht es nicht. Ein Zen-Meister  ist nach diesem zweiten Aspekt jemand, der eine tiefe Einsicht gewonnen hat und diese auch Tag für Tag in seinem Leben bezeugen kann.  Viele Menschen stellen sich vor, dass er unfehlbar und vollkommen sei, ein abgehobenes Bild, dem kaum ein lebender Mensch genügen kann.

Jemand hat einmal Zen mit dem Ozean verglichen. Je mehr man in ihn hineingeht, desto mehr erfasst man seine unendliche Weite und Tiefe.

Vor diese Aussage frage ich Sie: Ist es möglich, Zen zu meistern? Und: „Hat ein Hund Zen-Meisterschaft?“

Wuff!

 

Arigato Danke

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Ari-gatai —— Danke

Jede Kultur hat die Worte, die sie sich macht. Da ist ein Kulturvergleich manchmal sehr spannend. Das deutsche Wort „danke“ zum Beispiel bedeutete ursprünglich „Denken, Gedenken“ und bezeichnet damit „das mit dem (Ge)Denken verbundene Gefühl und die Äusserung dankbarer Gesinnung“. „Danke“ hat also etwas zu tun mit „an etwas dankbar denken“.

Ganz anders im Japanischen, das mir sehr nahe liegt. Im Japanischen heisst „danke“ arigato, ein Wort, das aus dem buddhistischen Denken kommt. Dieses Wort setzt sich eigentlich aus zwei Wörtern zusammen, aus „ari“ und „gatai„. „ari“ bedeutet „sein“ und „gatai“ heisst „schwer“. „Arigatai“ wird dann verwendet, wenn etwas Seltenes, Ungewöhnliches passiert. Daraus, aus diesem Seltenen, Ungewöhnlichem, erwächst ein Gefühl der Dankbarkeit und man sagt „arigato„.

Gestern war ich im Wienerwald wandern. Ich hatte mir vorgenommen den Pilgerweg von Wien nach Mariazell in Etappen zu gehen. Meinen kleinen Smart stellte ich vor der Wallfahrtskirche in der kleinen Ortschaft Hafnerberg ab und ging mehrere Stunden nach Klein Mariazell den Berg hinauf und dann weiter nach Kaumberg. Von dort wollte ich um 18 Uhr den Bus zurück nehmen – die letzte Chance, denn danach gab es keinen mehr.

Ich dachte, ich hätte viel, viel Zeit, doch wurde sie mir immer knapper. Einige Bäume waren gefällt worden, die Markierung war dadurch weg und ich verlief mich. Trotzdem – oh Wunder – kam ich genau richtig knapp vor 18 Uhr zur Busstation. Wunderbar. Erleichtert liess ich mich in den Sitz fallen. Nun musste ich nur noch ins Auto und nach Hause zischen. Beim Smart angekommen, drückte ich beschwingt den elektronischen Knopf am Schlüssel und  –  nichts rührte sich, das Auto ging nicht auf.

Gott sei Dank aber gibt es in diesen Elektronikwunderwuzziautos auch ein Schloss für die Hecktüre. Also kletterte ich von hinten durch den Kofferraum hinein. Ich wollte starten, aber wiederum ging nichts. Wer könnte mir helfen? Das Dorf war ausgestorben, die zwei Gasthöfe hatten geschlossen. Kein Mensch auf der Strasse. Es blieb mir nur übrig, zur Bundesstrasse zu gehen und ein Auto aufzuhalten. Ich stieg aus – und in diesem Moment kam ein Mann aus der Kirche. Er erwies sich als sehr, sehr hilfsbereit. Er fuhr nach Hause, holte Starterkabel, und wir versuchten, die Batterie aufzuladen. Leider bewegte sich immer noch nichts. Die Batterie war es also nicht. Der nette Mann rief einen Freund an, der Mechaniker ist. Dieser kam, obwohl er im Zeitdruck war mit seinen drei Kindern im Auto, schaute sich das Ganze an und konstatierte: „DIESE Elektronik! Ich vermute, der Code in Ihrem Schlüssel passt nicht mehr zum Code im Auto. Haben Sie einen Ersatzschlüssel?“ Ja schon, aber mit?

Ich rief also meinen Mann an und bat ihn, herzukommen. Er hatte Glück und unser Nachbar war so nett und lieh ihm seinen Wagen, etwas, womit er kaum gerechnet hatte, denn es handelt sich um einen sehr teuren Super-Super-Wagen. Er steckte seinen Schlüssel in das Zündschloss und der Wagen sprang an. So endete dieses Problem mit  großer Erleichterung: wahrlich ein Anlass für „arigato„!

Etwas sehr Ungewöhnliches hatte sich ereignet. Der Mann aus der Kirche, der Mechaniker-Freund und unser Nachbar, mein Gefährte -– alle haben zusammengeholfen, damit ich nach Hause kommen konnte. Wunderbar – ich fühlte mich in dieser Welt aufgehoben!

Da fiel mir das Wort meines Zen-Roshi ein, der meinte, je länger man Zen praktiziere, desto öfter passieren wunderbare, geheimnisvolle Ereignisse; desto öfter habe man Anlass um „arigato“ zusagen.

Habt auch Ihr schon solche Erfahrungen gemacht?