Wie treffe ich eine gute Entscheidung?

Entscheidungen können aufreibend sein. Da überlegen wir tagelang und kommen auf keinen grünen Zweig. „Einerseits spricht XY dafür“….. andererseits spricht XY dagegen“, so geht es hin- und her. Die inneren Stimmen zerreissen uns. Und je länger wir überlegen, desto schlimmer wird es.

Heute stelle ich eine simple Matrix vor, die eure Entscheidungen auf eine andere Ebene heben kann.

Sie stammt von Yancey Strickler von Kickstarter, den Erfindern des Crowdfunding.

In einem Interview spricht er über sein Buch: This Could Be Our Future. A Manifesto for a More Generous world, das seit Ende 2019 neu auf dem Markt ist.

Darin erklärt er, dass die Entscheidungen, die die Welt, vor allem die USA, im letzten Jahrhundert getroffen hatten, uns nächstens an die Wand fahren werden. Aus der Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen kann, entwickelte er eine Matrix, die in Organisationen, aber auch in privaten Entscheidungen das größere Umfeld, die Zukunft und Werte mit einbezieht.

Er nennt es Bentoism. Bento sind die Kästchen, in denen man einen Imbiss mitnehmen kann und die in Japan seit alters her in Gebrauch sind. Die Speisen sind durch kleine Stege voneinander getrennt und vermischen sich nicht. Diese Form hat Stickler inspiriert, seine Entscheidungshilfe Bentoism zu nennen: Vier Felder, die verschiedene Aspekte eines Problems getrennt betrachten lassen.

Zwei Felder gehen von mir selber aus, zwei von anderen, die betroffen sind. Die anderen, das kann die Familie sein, die Organisation, das Unternehmen, der Freundeskreis etc. Indem ich die Entscheidung in diese vier Aspekte teile, stelle ich sie in einen größeren Rahmen, in dem auch Werte und der Einfluss der Entscheidung auf andere Gewicht bekommen. Die Teilung in Jetzt und die Zukunft nimmt die Kurzsichtigkeit aus Entscheidungen heraus.

Nun zu einem Beispiel. Ich wurde gefragt, ob ich im Ausland einen Vortrag halten wolle. Es sollte ein Thema meiner freien Wahl sein, allerdings könnten mir nur die Spesen ersetzt werden.

Mein Zukunft-Ich begeistert sich leicht und würde  JA sagen. Es wäre schön, die Einladende wieder zu sehen, es wäre eine Herausforderung und ich könnte in meinem Vortrag Neues ausprobieren. Außerdem stehe ich gerne auf der Bühne.

Das Jetzt-Ich hingegen sieht die Sache vernünftig. Es würde eine mehrstündige Anreise erfordern. Zwei freie Tage wären blockiert, ich müsste mich vorbereiten und das würde nochmals zwei Tage erfordern. Da wäre gleich eine Woche weg. Das Jetzt-Ich sagt NEIN.

Das Jetzt-Wir sieht ebenfalls nur Nachteile. Es wären vier Tage ohne meinen Partner, er würde sich fragen, warum ich zugesagt hätte. Wir könnten die geplante Kurzreise nicht machen. Wieder NEIN.

Für das Zukunft-Wir wäre es ebenfalls nicht interessant. Für meine Gemeinschaft im Zen-Zentrum bringt es nichts. Also auch NEIN.

Nun ist die Wahl schnell getroffen: Drei Neins stehen einem Ja gegenüber. In diesem Fall ist meine Entscheidung klar. So nicht.

Nicht immer wägt man rein quantitativ ab. Ein Feld könnte so bestimmend sein, dass die drei Neins weniger ins Gewicht fallen. Wenn es z.B. um die Zukunft meines „Wir“ geht und eine Absage meine Umgebung gefährden würde. In diesem Fall ist es jedoch nicht so.

Die Bento-Matrix hilft, Ordnung in die widersprechenden inneren Stimmen zu bringen. Probiert es aus!

Falls ihr noch mehr dazu und zu Yancey Stricklers Ideen hören wollt, dann horcht Euch das Interview  hier an, das übrigens mein Sohn Severin geführt hat. Viel Vergnügen!

4 Kommentare zu “Wie treffe ich eine gute Entscheidung?

  1. Sehr schön, danke!
    Mir gefällt und hilft die WIR-Perspektive bei der Entscheidungsfindung entscheidend! 😉
    Ein Entscheidungstool das ich fast jeden Tag auch beim Tagesplan anwende, ist dieses: Nach fünf Minuten Meditation und einem Gebet, schreibe ich in zwei Minuten untereinander Ideen für den heutigen Tag auf.
    Danach kommt der Test: „Eigenwille oder Gottes Wille“ anhand der 4 Absolutheiten.
    Jede Zeile und damit Idee, wird überprüft. Ist diese Idee ehrlich und uneigennützig und rein und liebevoll? Gottes Wille muss alle vier Kriterien erfüllen. Oder ist sie unehrlich oder eigennützig oder unrein oder Angst-basiert? Um sich als Eigenwillen zu qualifizieren, reicht ein einziges Kriterium. Mittlerweile geht es recht schnell und ist auch unglaublich erleichternd 🙂
    Gottes Wille geht sich immer gut aus und lässt gut Raum zu atmen und staunen untertags, der Eigenwille stopft den Tag voll und wirkt oft ziemlich zerfranst, getrieben und unersättlich.
    Und jetzt noch als Krönung dieses schöne WIR Bewusstsein, danke Fleur, fabelhaft!

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