Wie treffe ich eine gute Entscheidung?

Entscheidungen können aufreibend sein. Da überlegen wir tagelang und kommen auf keinen grünen Zweig. „Einerseits spricht XY dafür“….. andererseits spricht XY dagegen“, so geht es hin- und her. Die inneren Stimmen zerreissen uns. Und je länger wir überlegen, desto schlimmer … Weiterlesen

Jahresmotto statt guter Vorsätze

Sechs von zehn Menschen scheitern an ihren Neujahrsvorsätzen. Jahrelang wollte auch ich mich ab 1. Jänner hinauf optimieren. Die guten Vorsätze hielten längstens vierzehn Tage und danach fühlte ich mich schlecht. Eine Stimme flüsterte innerlich: „Wieder eine Niederlage. Du schaffst … Weiterlesen

Wieviel Minimalismus ist sinnvoll?

mlm-gross-cropMinimalismus ist in Mode. Wie reagieren Sie, wenn Sie zu Weihnachten die dritte Designer-Zitronenpresse bekommen? So manche sagt dann:  Zu viel, zu viel!  Bücher, Geschirr, Kleider, alles in 10facher Ausfertigung, ich bekomme keine Luft mehr!
Daher liegt Minimalismus im Trend, in besonders radikaler Form aber unter jungen Japanern.

mlm-mittel-cropSchon viele Jahrhunderte lang steht  Zen für radikale Vereinfachung. Keine Schnirksel Schnörksel, jede Form funktionell und ästhetisch auf den einfachsten, elegantesten Nenner gebracht. Leere Räume. Alles was nicht gebraucht wird, wird verborgen und in doppelten Wänden, Schränken, Lager verstaut.
Inzwischen, das erfährt jeder Japanreisende, haben sich viele japanische Wohnungen aufgrund des beengten Platzes in angeräumte Abstellkammern entwickelt. Manche jungen Leute haben in ihrem einzigen kleinen Raum Computer, Bücherregale, das Surfbrett, das Fahrrad und das Snowboard übereinander gestapelt. Von Leere keine Spur.

mlm-kurz-cropNun greifen junge Japaner die alte Idee wieder auf, die Wohnung radikal zu entmisten. Sie leben in fast leeren Wohnungen. Sie lesen Bücher nur mehr digital, verwenden nur einen einzigen Topf und eine Herdplatte zum Kochen und leihen sich alles, was sie brauchen, aus. Auch im Kleiderstil kommen sie mit einigen Hemden und Hosen aus: Elisa Sasaki z.B. limitierte ihren Kleiderbestand radikal, nachdem sie ein Jahr im Ausland gelebt hatte und mit einer kleinen Reisetasche auskommen musste: „Wenn Du etwas besitzt, hast du auch die Verantwortung dafür. Daher ist es wichtig, die Dinge die Du besitzen willst, sorgfältig auszuwählen. Dann hast Du Kapazitäten für die Dinge, die Dir wirklich wichtig sind“. Ein anderer junger Japaner, Katsuya Toyota, lebt in seiner 22 m2 Wohnung nur mit einem Tisch und einer Matratze. Er sagt: „Ich wurde Minimalist, damit ich nur mehr Dinge besitze, die ich liebe.“ (Bilder dazu http://www.bbc.com/news/in-pictures-36574697).

Hinter dem Minimalismus der jungen Japaner steht häufig gar nicht so sehr die Idee des Ausmistens, sondern die Sehnsucht danach, den Wert der Dinge wieder zu spüren und zu schätzen. Minimalismus bedeutet für sie, nur mit schönen Dingen einfach zu leben, eine Idee des ästhetisierten Zen. Ein zweiter Aspekt ist, dass Dinge nicht mehr so viel Aufmerksamkeit benötigen. Je mehr man besitzt, desto mehr Arbeit geht drauf, den Besitz zu verwalten, zu verbessern, zu reinigen. Je weniger man besitzt, desto mehr Zeit wird frei, um sich Freunden zu widmen und Erfahrungen zu machen. Vom verdichteten, „sicheren“ Materiellen verschiebt sich das Leben ins Prozesshafte, Unsichere, aber auch Lebendige. Was benötigt wird, wird „geshared“, ausgeliehen oder nur kurze Zeit verwendet und wieder verkauft. Das ist auch unter jungen Europäern häufig so.

Einer dieser jungen Japaner ging sogar so weit, seinen Kühlschrank herzuschenken. Als dann der Sommer kam, musste er erkennen, dass ein Kühlschrank doch ganz praktisch ist. Da frage ich mich doch, wie viel Minimalismus ist sinnvoll?

Vor einigen Tage hörte ich ein Kabarettprogramm. Der Kabarettist sagte: „Vor unserer Türe stehen die „hungrigen“ Inder und Chinesen, die etwas im Leben erreichen wollen. Zu denen sage ich: „Was wollt Ihr denn? Ich habe eh genug“.

Ein Satz, bei dem ich zwei Mal hinhorchen musste, der es aber in sich hat. Wir fühlen uns zum Minimalismus hingezogen, weil wir so viel haben, andere sehen das sicherlich nicht gleich.

Ich sehe da Parallelen in der Entwicklung der japanischen Teezeremonie, wie wir sie heute kennen.

Sie wird oft gepriesen ob ihrer „einfachen“ Ästhetik. Nur das Wesentliche ist in einem Teeraum vorhanden. Einfache Gegenstände, diese aber von höchster Eleganz, werden verwendet. Eine einfache Schale aus grober Keramik, ein Holzkästchen aus Lack ohne Verzierung, für diese Einfachheit steht die minimalistische Ästhetik.

Bevor der „Minimalismus“ in der Teezeremonie Einzug hielt, sah es jedoch ganz anders aus: Shogun Toyotomi Hideyoshi liebte großen Prunk. Er ließ sich einen Teeraum bauen, wo alle Gegenstände aus Gold hergestellt waren – ausgenommen dem Teebesen aus Bambus,  einem weissen Tuch und einem hölzernen Wasserschöpfer. Die Wände waren vergoldet und die Papierschiebewände nicht mit weissem Papier, sondern mit einem roten Teppich bespannt. Genau zu dieser Zeit trat der Reformer Sen no Rikyu auf. Er führte den schmucklosen Teeraum ein und entkleidete die Utensilien allen zusätzlichen Schmucks. Er schuf die radikal minimalistische Teezeremonie, wie wir sie heute kennen.

Ungefähr an so einem Punkt stehen wir heute auch. Jene Menschen, die zu viel haben, träumen vom einfachen Leben. Doch wirklich tauschen möchte wohl niemand mit einer chinesischen Fabriksarbeiterin, die in einer Einzimmerwohnung nur mit dem Nötigsten lebt .

Daher ist meine heutige Erkenntnis: Die Sehnsucht nach Minimalismus wächst nur auf dem Boden des Überflusses.

 

 

 

 

Das Geschenk annehmen

„Drei Tage lang haben wir nur Eier gegessen!“ erzählte mir ein Freund, der vor kurzem in einem japanischen Zen-Ausbildungskloster als Mönch gelebt hatte. Zen-Mönche leben nur von Spenden. Nichts wird dazu eingekauft. Gegessen wird das, was Bauern und Kaufleute dem … Weiterlesen

Zen an der Kasse

Der Scort berichtet....

Der Scout berichtet….

Daniel hatte es mir schon vor sechs Monaten erzählt. Er ist Künstler und hatte sich als regelmäßige Einkommensquelle einen Knochenjob ausgewählt. Und er verstand ihn als Zen-Übung.

800 Kunden pro Tag, blitzschnell die Waren über die Kasse ziehen, im Kopf das Wechselgeld ausrechnen – das wird dort nicht am Terminal angezeigt – und dabei nicht die Nerven verlieren. Das ist seine tägliche Arbeit an der Supermarktkasse von Hofer (in Deutschland Aldi). Die Herausforderung ist nicht nur die Schnelligkeit der Arbeit bei wenig Platz zum Abstellen, sondern die Befindlichkeit der Kunden. An der Kasse schafft sich so mancher ein Ventil für den Lebensfrust und lässt seinen Ärger am Kassenmann und an der Kassenfrau aus. Dieser könnte leicht grantig werden (deutschdeutsch: übellaunig werden) oder … man macht es so wie Daniel.

Daniel sieht es als gute Übung bei sich zu bleiben, sich auf den Atem zu konzentrieren und dabei gleichzeitig zu achten, was der Mensch vor ihm braucht. Eine Übung der vollkommenen Achtsamkeit, schwierig bei einem Takt von 30 Sekunden pro Einkauf. Vor einigen Tagen schickte ihm ein Freund einen kleinen Artikel der Tageszeitung Kurier mit der Anmerkung „Damit bist wohl Du gemeint.“ Im Artikel schreibt ein Gastrokritiker sein Erlebnis bei Daniel an der Kasse:

„Schnell was einkaufen bei Hofer, Nussdorfer Straße 4, Wien 9. „Grüß Gott“ sagt der junge Mann an der Kasse und schaut mir dabei in die Augen. Dann greift er zuerst auf das Papiersackerl,  das weiter hinten am Förderband liegt, zieht es über die Kassa, faltet es auf, stellt es auf die Ablage. Piep, piep, piep, steckt er meine Einkäufe auch gleich ins Sackerl. Bitte, danke, auf Wiedersehen, schönen Tag, wieder ein Blick in die Augen. Wow, so nett kann so eine Kassen-Begegnung sein, trotz aller Schnelligkeit.“

Wenige Tage später sieht Daniel einen Vater mit zwei quicklebendigen Kindern und einem Riesen Einkauf. Er denkt sich, „Da muss ich helfen. Der schafft es nicht alleine“, zieht wieder das Sackerl über die Kasse und räumt die Waren gleich ein. Als der Kunde zahlt, sagt dieser: „Na, haben Sie sich über den Artikel gefreut?“ Darauf Daniel: „Sind Sie der Redakteur?“ Nein, sagt der Kunde, „Ich bin der Verleger“.

Daniel erzählte uns die Geschichte bei unserem Sommerfest und wir freuten uns alle mit. So kann Zen-Meditation die Welt verändern – im Kleinen wie auch im Großen.

Ein Baum statt Nippes

Sakura Hietzing

Wien Hietzing

Heute stand ich an einer Haltestelle und schaute in den Himmel. Da bemerkte ich zum ersten Mal, dass dort drei blühende Kirschbäume stehen. Der kleine Platz hat erst vor 10 Jahren einen neuen Namen bekommen, nämlich Anna Strauss Platz. Wohl deshalb, weil ihr Sohn Johann Strauss dort ganz in der Nähe mit seinen Walzern Triumphe gefeiert hatte. Da dachte ich: „Diese Bäume stehen sicherlich nicht zufällig da. Sicherlich haben Japaner sie dem Bezirk gestiftet.“ Denn auch im Jahre 1996 hatten japanische Partnergemeinden der Stadt Wien 1000 Kirschbäume zum 1000 jährigen Bestehen Österreichs geschenkt. Beim Besuch des Tenno in Wien wurden ebenfalls zwei Kirschbäume im Lainzer Tiergarten gepflanzt. Die japanische Kirsche steht für Japan. Wie schön und wie genial!

Vor kurzem fuhr unser Bundespräsident Heinz Fischer auf Staatsbesuch zu Wladimir Putin. Da ist ein Geschenk ein Muss. Was war sein Mitbringsel? Eine Lipizzanerstatue aus Porzellan. Das macht sich auf dem Photo gut, doch was wird damit passieren? Sie wird wohl in ein Archiv gebracht werden, bestenfalls in eine Vitrine, in der sie vergessen und verstauben wird.

Ein Baum hingegen ist lebendig, er wächst und spendet Schatten. Viele Menschen erfreuen sich tagtäglich daran. Am 21. April werden wieder viele Wiener  zum Kirschenhainfest pilgern und unter den 1000 Kirschbäumen feiern. Japanische Kinder werden tanzen und singen, eine Teezeremonie wird es geben und japanische Musik. So wird die japanisch-österreichische Freundschaft jedes Jahr immer und immer wieder bekräftigt. Wieviel schöner und nachhaltiger ist ein Baumgeschenk als eine tote Porzellanstatue.

In Japan musste ich oft mit Japanern den „Lindenbaum“ von Schubert anstimmen. Meine Gastgeber konnten alle drei Strophen auswändig und ich nicht. Deshalb dachte ich heute: „Eine Linde wäre ein schönes Geschenk für einen Staatsbesuch in Japan. Und danach ein gemeinsames Singen ‚Am Brunnen vor dem Tore…..'“

Habt Ihr noch Baum-Ideen?

Anhaften – auch an Werten?

Jetzt ist es wieder passiert. Und es hat mich zum Nachdenken gebracht. Aber alles der Reihe nach. Vor einiger Zeit hatten wir im Zen-Zentrum eine spezielle Tee-Zeremonie mit Matcha-Tee, dem grünen Pulvertee.  Ich hatte einen besonders guten Matcha-Tee, Süßigkeiten aus Japan … Weiterlesen