Hilft Meditieren gegen Schlaflosigkeit?

Achtsamkeit und Meditation helfen nur bedingt gegen Schlaflosigkeit
Viele Menschen haben Schlafstörungen, statistisch ist es jeder dritte. Manche fragen mich: Hilft Meditieren gegen Schlaflosigkeit? Meine Antwort darauf ist: „Jein“.

Eine Frau sagte: „Mein Körper fühlt sich an, als ob in jeder Zelle ein kribbeliger Geist säße, der die Peitsche schwingt. Das Kribbeln und die Unruhe machen mich wahnsinnig. Ich weiß, dass ich am nächsten Tag eine wichtige Präsentation habe und dauernd geht in meinem Kopf herum: ‚Ich muss schlafen, ich muss schlafen, sonst bin ich morgen nicht fit!'“

Das Karussell von Gedanken und Ängsten lässt viele nicht zur Ruhe kommen, da hilft auch kein verzweifelter Ruf „Ich muss schlafen!“ Der Geist ist nicht beherrschbar, auch Meditierende sind nicht Herr ihrer Gedanken. Und doch mag Meditation helfen, damit umzugehen. Hier kommen einige Ideen zum Schlafproblem.

Vermeide alles, was dich hindert „runterzukommen“:

  • Kein Kaffee, aufputschenden Tee oder Zitronensaft nach 16.00. Leicht essen. Nicht nach 19.00 essen.
  • Emails am Abend ungeöffnet lassen
  • Keine Computerarbeit nach 19.00
  • Kein Fitnessstudio am Abend
  • Keine aufregenden Fernsehfilme

Schließe den Tag ab:

  • Räume den Schreibtisch auf, dass nichts Unerledigtes herum liegt. Gehe wenn möglich zur gleichen Zeit ins Bett.
  • Schaffe ein Einschlafritual und reflektiere deinen Tag (siehe  3-2-1 Kopfkissenbuch)

Wenn das alles nicht hilft:

  • Manche empfehlen eine Achtsamkeitsübung, um ins Hier und Jetzt zu kommen. Wenn du dich auf die andere Seite drehst, denke:“Jetzt drehe ich mich auf die Seite“ oder „jetzt spüre ich meine Schulter“. Diese Methode, die unter anderen  im Buch Buddhas kleines Buch vom Schlaf beschrieben wird, hilft, ruhig zu werden und das Gedankenkarrussel zu stoppen. Zum Einschlafen ist es nur bedingt effektiv (siehe unten).
  • Wenn du deinen Körper spürst, holt es dich von den 10.000 Gedanken zurück. Manche streichen sich über die Arme.
  • Es hilft, manche Gedanken zu Papier zu bringen, dann kann der Kopf sie abhaken. Ein Block neben dem Bett ist hilfreich.
  • In der japanischen Hausmedizin wird empfohlen, Umeboshi-Kerne (Pflaumenkerne) im Backofen zu erwärmen und vor dem Schlafengehen mit den Füssen darauf zu treten.

Was hat das mit dem Meditieren zu tun?

Meditierende sind sich ziemlich bewusst, was in ihrem Kopf abgeht. Das ist der Vorteil. Wenn ich mal nicht einschlafen kann, weiss ich, was für dumme Gedanken in meinem Kopf herumgehen und kann bewußt an etwas anderes denken. Allerdings schlagen Achtsamkeitsübungen bei mir nicht an, im Gegenteil. Sie bringen mich zwar in den Moment und auch in die Körperlichkeit, doch „lenken“ sie den Geist. Das ist für mich genauso kontraproduktiv wie Schafe zählen. Bewusst gelenkte Gedanken sind Anstrengung und Konzentration und das macht wach. Mit Konzentration habe ich oft das Gegenteil herbeigeführt: nämlich beim Meditieren in der Nacht wach zu bleiben. Deshalb: Für andere möge Achtsamkeit hilfreich sein, für mich nicht.

Was wirklich hilft:

Ich richte meine Gedanken auf eine Geschichte, die mit mir persönlich nichts zu tun hat. Das kann der Fernsehfilm vom Vorabend oder eine Kurzgeschichte sein, die ich gelesen habe. Ich lasse die Bilder vor meinem geistigen Auge erstehen und ziehe die Energie aus den Bildern zurück, sodass sie zu schweben scheinen. Dann verschwimmen sie nach einiger Zeit. So gelingt es mir, in den Schlaf hineinzudriften.

Es funktioniert nicht immer, aber doch oft.

Die Einstellung zählt:

Begegne Deiner Schlaflosigkeit wohlwollend. Kämpfe nicht dagegen an. Der Morgen wird anbrechen und das Licht wird Dich sanft in einen  guten Wachzustand führen. Der Körper beginnt trotzdem seinen Tagesrhythmus. Es wird die Nacht kommen, in der Du wieder durchschläfst.

 

3 Kommentare zu “Hilft Meditieren gegen Schlaflosigkeit?

  1. Eine wertvolle Zusammenstellung von Tipps. Ich füge hinzu:

    Kein Blaulicht vor dem Schlafengehen! Viele moderne Handy-, Tablet-PC, PC-Monitore, Fernseher mit LED Bildschirmen, LED Lampen haben einen Blaulichtanteil im Farbspektrum. Blaulicht signalisiert Rezeptorzellen in der Netzhaut des Auges: Tageslicht – wach sein! Deshalb darauf verzichten oder die Farbtemperatur zum warmen Licht ohne Blaulichtanteil wechseln.

    Mir persönlich hilft darüber hinaus einerseits die Erfahrung aus Sesshins, dass es überhaupt nicht schlimm ist, mal eine Nacht nicht zu schlafen. Nun ist der Alltag kein Sesshin, aber für die wirklich wesentlichen Dinge an einem Tag geht es auch ohne oder mit wenig Schlaf, wenn es ein Einzelfall bleibt. Diese Gewissheit beruhigt.

    Wenn mich andererseits doch einmal mitten in der Nacht ein Gedankenkarussel nicht wieder einschlafen lässt, lege ich mich auf den Rücken, die rechte Hand auf den Unterbauch, die linke auf´s Herz und mache eine sanfte Atembetrachtung. In den allermeisten Fällen, schlafe ich darüber ein.

    Wenn ich „zu früh“ aufwache und ein Einschlafen auch nicht mehr lohnt, z.B. eine Stunde vor dem Wecker, stehe ich auf, setze mich auf meinen Meditationsplatz und sitze Zazen.

    Als Meditierender weiß ich, dass das Leben selbst immer wieder Situationen für mich bereit hält, die mich zunächst aus der Balance bringen können. Meditieren ist keine Gewähr, dass das nicht passiert. Das Leben selbst ist einer der größten Meister und es ist der Übungsweg selbst. Als Meditierender weiß ich, dass ich ein Mensch bin und Scheitern zum menschlichen Dasein gehört – mit der Chance, daran zu wachsen. Zu glauben, ich könnte als Meditierender immer gut schlafen, wäre eine schlimme Illusion.

    • Lieber Michael, Herzlichen Dank für die Ergänzung! Nun sind die Tipps schon ziemlich komplett. :-)) Auch für mich ist mal eine schlaflose Nacht leichter zu akzeptieren, weil wir auch auf Sesshins nicht (viel) schlafen. Der Körper unterstützt uns trotzdem am Tag. Dieses Bewusstsein hilft enorm, finde ich.

  2. Mir hilft, wenn ich nicht einschlafen kann, aber schlafen muss, weil ich morgen früh raus muss und wichtige Termine habe: Ich setze mich hin, nehme meine Praxis auf und mache nur dies – zu mir kommen, die jetzige Zeit nutzen, meinen Geist reinigen. Ich versuche nicht mehr, die Stunden zu rechnen, die mir vielleicht noch zum Schlafen reichen, sondern schiebe eine Nachpraxis ein mit der inneren Einstellung: „einfach tun!“. Irgendwann – nach 30 oder 40 Minuten fühle ich mich dann bereit, zu schlafen. Und tue es auch.

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