Träume erfüllen sich – oft anders als gedacht

Viele Menschen verspüren eine Sehnsucht, wenn sie jung sind. Sie träumen von einer besseren Welt….., von einer harmonischen Familie….., oder von einem spirituellen Weg.

Manche Sehnsüchte führen in die Welt hinaus, manche in sich selbst hinein. Manche machen sich auf, ihren Traum zu verwirklichen, anderen kommt er über die Jahre nach und nach abhanden.

Vor vielen Jahren begegnete ich zwei Menschen, die, den Spuren ihrer Sehnsucht folgend, ihre Zelte in ihrer Heimat abbrachen und sich ins Ungewisse wagten. Sie waren lange aus meinem Gesichtskreis verschwunden. Wie ist es ihnen ergangen? fragte ich mich vor einigen Tagen und sprach mit ihnen. Hier ist ihre Geschichte.

Georg hatte einen Traum. Als Architekt wollte er die Welt schöner machen. Er wollte den Menschen eine Heimat geben, die schön ist und in der sie sich wohl fühlten. Stattdessen plante er in einem Architekturbüro immer gleiche Türen und Fenster für immer gleich aussehende Wohnhäuser. 0815 Wohnungen für 0815 Leben, so empfand er es. Sollte er das bis an sein Lebensende machen? Was war die Alternative?

Bettina wiederum hatte in ihrer Jugend die Schule gehasst und mit familiären Konflikten gekämpft. Sie hatte mit ihrem Land, ihrer Familie, mit wechselnden Jobs gehadert und suchte nach einem Weg aus ihren inneren Belastungen.

Beide träumten von Befreiung, Frieden und Glück. Im Moment, als ihnen klar wurde, dass sie ihrem Leben eine andere Richtung geben sollten, kreuzten sich ihre Wege. Damals lernte ich sie kennen.

Eine kleine Erbschaft rückte ihren Traum von Heimat in Reichweite. Das Geld gab ihnen Raum und Hoffnung auf ein Leben außerhalb des Hamsterrads. Ihr erster Schritt führte sie aus der Stadt zu einem kleinen Bauernhof in Österreich. Doch als sie das Haus renoviert und den Garten bestellt hatten, blieb die Sehnsucht nach einem noch unberührteren Ort. Nach einem Ort, wo Georg seine Vision von einem Haus als wahres Heim verwirklichen konnte. Sie fuhren nach Irland auf Grundstückssuche. Paul und ich hüteten inzwischen ihr Bauernhaus, fütterten Schafe und Hühner und saßen auf der Bank vor dem Haus in der Sonne. Drei Wochen später kamen Georg und Bettina freudestrahlend zurück.

Sie hatten einen Hügel gefunden mit Aussicht auf einen kleinen See. Hier sollte ihr Paradies entstehen. Drei Wochen strahlendes Wetter beflügelte ihre hochfliegenden Pläne.

Später erfuhren sie, dass diese drei Wochen die einzigen seit Jahren gewesen waren, in denen sich die Sonne mehrere Tage am Stück zeigte und das Wetter perfekt war. Denn tatsächlich lag ihr Grundstück in einer unwirtlichen Ecke. Der Wind weht dort stark über die kargen Wiesen, es regnet viel. Jahrhundertelang hatten auf dem Hügel Kühe geweidet, der Boden war festgestampft und darunter Moor. Außerdem waren die Nachbarn und Leute aus dem Dorf anfangs wenig erfreut, die Fremden auf ihren Wiesen zu sehen.

Der Traum wurde für sie eine Herausforderung. Es gab keinen Kanal dort, also errichteten sie ein Torf-Klo (eine interessante Erfahrung, den Torf mit den eigenen Ausscheidungen immer wieder zu entsorgen, das erlebte ich bald, als ich zu Besuch kam). Es gab keine Straße, also bauten sie eine.

Sie stellten einen Wohnwagen auf und fingen an, rund um den Wohnwagen ihr Haus zu bauen. Sie beachteten den Sonneneinfall, hielten die Nase gegen den Wind und so entstand nach und nach ein Haus, das mit der Natur rund herum und ihren Wünschen in Einklang stand. Zwei Kinder machten den Familientraum komplett.

Parallel zum Haus arbeiteten sie am Garten. Als erstes pflanzten sie Bäume. Kleine, zarte Bäumchen waren es, nicht größer als ein Handteller. Sie hatten sie büschelweise um 5 Pence das Stück von einer Gärtnerei geholt. Mehr als 3000 Löcher hoben sie aus, die kleine Tochter auf den Rücken geschnallt. Anfangs wirkten die zarten Stämmchen verloren in der Weite der Landschaft. Bis der Garten sich in eine liebliche Landschaft verwandeln sollte, wie es sich Bettina erträumt hatte, brauchte es jahrelange Geduld.

Das Haus bekam eine interessante, eigenwillige Form. Aus der Badewanne sahen sie durch ein großes Fenster ins Grüne. Im Wintergarten wuchsen Weintrauben, sie mussten nur die Hand ausstrecken. Ihr Traum vom Heim nahm langsam Gestalt an. Doch einfach war es nie.

Nach Jahren des Hausbaus und der Urbarmachung des Bodens, in denen sie kein Geld verdient hatten, war das Erbe aufgebraucht. Sie verkauften ihr Auto. Ohne Auto mitten im Niemandsland wiederum war der Weg ins Dorf mühsam. Sie trafen kaum mit Dorfleuten zusammen und fühlten sich isoliert. Die Kinder, oft eine Brücke zu anderen Eltern, schickten sie nicht in die Schule, sondern unterrichteten sie zu Hause. Übrigens mit Erfolg, denn später schlossen sie die Schule offiziell ab und studierten.

Konflikte mit den Dorfleuten machten ihr Leben schwer. Sie hatten nicht gewusst, dass es ein jahrhundertelanges Gewohnheitsrecht auf das Torf ihres Grundstücks gab. Der jahrelange Streit mit einem Nachbarn um das Abbaurecht und das Ringen um eine faire Einigung zermürbte und erschöpfte sie. Oft waren sie verzweifelt und hoffnungslos.

Zusätzlich schien auch das Moorland mit seiner dunklen Geschichte auf ihr Seelenleben zu wirken. Es soll Hungersnöte dort gegeben haben, die Menschen sind nach Amerika ausgewandert. Wer weiß, was das Moor in seinen Tiefen konservierte. So verschlossen wie das Land war, so zog es sie immer wieder hinunter und in ihr Inneres. Dort verbanden sich die äußeren Schwierigkeiten mit den Lasten, die sie glaubten, zu Hause gelassen zu haben. Sie litten unter Phasen innerer Wüste.

Heute, Jahrzehnte später, ist ihr Haus ist nicht bloß ein Haus, es ist zu einem Heim geworden, in das sie gerne Menschen einladen. Rund um das Haus blühen vielfältige Blumen, die Bäume sind gewachsen und zum Wald geworden. Das karge Moor ist heute ein liebliches Paradies, das auch kleinen Tieren Schutz und Heimat bietet.

Ähnelt das nicht einer Heldengeschichte? So wie z.B. in der Zauberflöte Tamino seiner Traumfrau Pamina folgt und vorher drei lebensbedrohliche Situationen überwinden muss? Aus diesen Feuerproben geht der Held transformiert und gestärkt heraus. Er hat Geduld, Standhaftigkeit gelernt und seine Todesangst überwunden.

Auch Georg und Bettina hatten ihre Feuerprobe bestanden. Sie hatten Glück, Leichtigkeit und Zugehörigkeit gesucht und waren ihren inneren Schatten und der äußeren Isolation begegnet. Das Land war ihr Lehrer geworden, der ihnen, Geduld, Hartnäckigkeit und Disziplin abverlangte. So haben sie nicht nur das Land gestaltet und verändert. Das Land hat auch sie verändert.

Ich fragte Georg, was er in den Jahrzehnten gelernt hatte. Er antwortete: „Früher dachte ich, Spiritualität ist im Himmel. Doch heute habe ich erfahren dass sie die Brücke zu einer inneren Verbindung ist. Ich bin mit den Werkzeugen und dem Material verbunden. Ich habe innere Sinne zum Ort entwickelt, wo ich lebe. Ich spüre die Erde anders, sie gibt mir Halt und Kraft. So konnte ich die Trennung in mir selber überwinden.

Natürlich hatten wir immer wieder Angst. Die Angst anzunehmen und mit ihr zu gehen war das, was wir gelernt haben. Erst wenn man von der Felswand gesprungen ist, spürt man, dass man getragen wird.“

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