Urlaub vom Urlaub – ein langer Sommer

Für diesen Sommer hatten wir große Pläne. Wir wollten in den Norden fahren, ins Baltikum, nach St. Petersburg und nach Finnland. Ein ganzes Jahr malte ich mir aus, wie schön es dort wäre. Der hohe Norden hatte mich immer schon angezogen. Wie oft hatte ich zu einer Freundin gesagt: „Ich freue mich schon so darauf!“

Der Juni kam heran und damit die Entscheidung, ob es wirklich das war, was wir wollten. Wir saßen beim Mittagessen und überlegten was uns an einem Sommer wichtig ist. „Jeden zweiten Tag ins Training gehen“, sagte Paul, mein Mann. „Im Wald wandern und viel meditieren“, meinte ich. Na hallo, das war ganz etwas anderes als Koffer packen, in den Flieger steigen und auf dem Asphalt der Städte zu trotten. Wir erkannten, dass sich unsere Bedürfnisse so gar nicht mit den sehnsüchtigen Bildern deckten.

Also überlegten wir was wir stattdessen machen könnten. „Eine Woche wandern wäre schön“, war die zweite Idee. Ich begann, eine Wanderung entlang des Böhmerwalds, den Nordwaldkammweg, zu planen.

Eine Woche davor zögerten wir wieder. Es war nicht nur das heiße Wetter, es war die Planung, die uns Unlust bereitete. Das ganze Jahr sitze ich vor dem Computer, jongliere Termine hin und her, organisiere und bereite vor. Ich wollte nicht im Sommer wieder am Handy hängen, An- und Abfahrtszeiten und Unterkunftsmöglichkeiten checken.

Also entschieden wir, gar nichts zu planen. Zu Hause zu bleiben. Jeden Morgen aufzuwachen und spontan zu entscheiden, wonach uns der Sinn steht. Wir unternahmen viel, wir gingen wandern, schwimmen, wir sahen uns Theater am Land an – da gibt es in unserer Gegend vielfältige Möglichkeiten. Es war wunderbar.

Jetzt, am Ende des Sommers wächst in mir die Erkenntnis, dass sich dieser Sommer anders anfühlte. Er hatte die Endlosigkeit der Sommerferien während der Schulzeit angenommen.

Wenn ich früher auf Urlaub ging, vermisste ich gefühlsmäßig die zwei Wochen, die ich weg war. Der Sommer hatte sich dadurch verkürzt. Dieses Jahr habe ich den Frühsommer mit den langen Nächten erlebt, den Hochsommer am Teich und den Spätsommer mit Spinnweben und Wespen – ich erfuhr den Sommer als prozesshafte Zeit. Es war Urlaub vom Urlaub, das heißt eigentlich Urlaub von meinen Vorstellungen eines idealen Urlaubs. Eine gute Erkenntnis.

2 Kommentare zu “Urlaub vom Urlaub – ein langer Sommer

  1. Hallo,
    der Goldsteig (Nordroute) ist ein wirklich wunderbarer Wanderweg – auf diesen Wanderweg hat sich bei mir heuer der Urlaub so richtig gut angefühlt, bei Heldelbeeren essen und Steinpilze finden 😉
    Gruß

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