Zen oder Zen-Buddhismus?

Vor zwei Tagen sprach ich am Speakers Day in Fohnsdorf. Eine exzellente Veranstaltung, die das BMS dort unter der fachlichen Anleitung von Magda Bleckmann organisiert hat. Das lokale Fernsehen war auch da. Die erste Frage, die sie mir beim Interview stellten, war: Sie sprechen von Zen, ist das das gleiche wie Zen-Buddhismus? Diese Frage hat es in sich. „Zen ist kein „ismus“, denn es deutet auf die Erfahrung hin, die jede/r selbst macht“, so sage ich meistens.

Ich erkläre oft, dass das Wort Zen aus dem Sanskrit Wort dhyana kommt, das in China zu Channa und dann zu Chan und schliesslich in Japan zu Zen geworden ist. Und das Wort dhyana bedeutet nichts anderes als einfach „Meditation“.  Zen-Buddhismus bedeutet also nichts anderes als einfach Meditations-Buddhismus. Es scheint ein absurder Pleonasmus zu sein. Denn die Meditation war ja schliesslich der Kern von Buddha Gautamas Erfahrung. Doch nicht in allen buddhistischen Richtungen steht die Meditation im Vordergrund. Es gibt  Volksbuddhismus, Buddhismus der Ordensregeln, Buddhismus, bei dem das Studium der Schriften im Vordergrund steht – und nicht zuletzt der Buddhismus, in dem die Buddhisten  Buddhas anbeten und sich von ihnen Hilfe erhoffen.

Menschen, die in unser Zen-Zentrum kommen und Unterweisung in Buddhismus suchen, gehen meist wieder. Menschen, die Erfahrung suchen, die bleiben. Im Zen verlangt jede Frage eine Antwort aus mir selbst heraus. Und dieses Selbst bleibt nicht gleich. Die Frage stellt sich daher wieder und wieder und wieder.

Wir sind Beteiligte, nicht Teile

Der Physiker Hans-Peter Dürr sagt in einem Interview: “Die Logik der neuen Physik ist nicht mehr ja – nein, wahr – unwahr. Sie sagt vielmehr: “Von meinem Standpunkt sieht es so aus, von Deinem möglicherweise ganz anders.”

Das erinnert an den Satz aus der alten Zen-Schrift aus dem 6. Jh., Shinjinmei: “Die Unterscheidung zwischen richtig und falsch führt zur Krankheit des Geistes”. In einem festgefügten System gibt es richtig und falsch, wahr und unwahr.

In der Sicht der Wirklichkeit der neue Physik und auch des Zen ist alles Veränderung. Was von dem einen Standpunkt richtig ist, kann vom anderen aus falsch sein.

Keine leichte Aufgabe sich in dieser Welt zu orientieren. Aber die gute Nachricht wie sie  Hans-Peter Dürr formuliert, ist: “Wir sind nicht Teil der Wirklichkeit, sondern wir sind Beteiligte der Wirklichkeit”. Wir beteiligen uns an dieser Welt. Und: es kommt auf uns an.

Hier das volle Interview: http://www.youtube.com/watch?v=VZRfH78EP7Y

Leere ist heilsam

Wir hatten gerade die Maler im Haus. Dazu mussten wir alle Möbel aus dem Zimmer tragen, alle Vorhänge abmontieren. Und siehe da, der Raum ist wie neugeboren! Die Sonne scheint herein und die hellen Wände reflektieren ihr Leuchten. Jetzt stehen wir vor der Entscheidung, was brauchen wir wirklich in diesem Raum? Wir prüfen jedes Stück, nimmt es uns Raum weg, haben wir es nur dort stehen, weil wir es eben besitzen oder benötigen wir es wirklich?

Leere ist sehr heilsam. Schaffen wir Raum, auch in unserem Leben. Was ist notwendig? Worauf können wir verzichten? Ich habe mir vorgenommen, für jedes Stück, das ich kaufe, ein altes Stück/Buch/Kleidung wegzugeben. Was daraus entsteht, ist Klarheit – und ein neuer Blick für jene Dinge, Menschen und Zeitfenster, die uns vom Herzen wichtig sind.

Heute ein schönes Zitat des Zen-Meisters Rinzai: “Fälschlicherweise glaubt ihr, die Dinge zu verstehen, wenn ihr ihnen Namen und Bezeichnungen gebt. Das Feine und das Grobe, das Weltliche und das Nicht-Weltliche kann doch dadurch nicht verständlich werden, indem man es benennt. Weggefährten, verwirklicht es, gebraucht es, oder meidet es, aber sperrt es nicht in tote Worte ein.”

Der Name ist nicht das Ding

Wo sind die Vorsätze vom 1. Jänner?

Die Sonne scheint und der Frühling kommt. Das ist eine gute Zeit, um nochmals die Vorsätze, die wir am 1. Jänner gefasst haben, in Erinnerung zu rufen ;-).
Apropos Vorsätze. Eine Studie von Wilhelm Hofmann, University of Chicago hat über Bedürfnisse von Menschen geforscht und 7827 “desire reports” gesammelt. Ein Resultat war, dass die Menschen am meisten unter folgendem Mangel leiden: dem vergeblichen Verlangen nach Nichtstun. Gerade das Bedürfnis nach Ruhe kommt in Konflikt mit vielen anderen Zielen und Vorhaben, die der Mensch so hat.
Ich beobachte, dass viele, die ins Zen-Zentrum kommen, begeistert sind, wie sie sich nach 2 Stunden Meditation fühlen. Dann kommen sie noch ein, zwei mal, die Zeitabstände werden größer, es schieben sich immer wieder Termine hinein. Sie denken  sich vielleicht ”ich sollte….”,  doch dann ist die innere Distanz zur Zen-Praxis  schon zu groß. Sie finden nicht mehr zurück.
Wie kann man dem widerstehen, dass so vieles wichtiger ist als das “Nichts-Tun”, in unserem Fall die Zen-Praxis? Die Forscher empfehlen dafür “precommitment”, Vor-Festlegung. Das ist zum Beispiel die Entscheidung, tatsächlich die Zen-Abende im Kalender zu blockieren, sodass nichts anderes da eingetragen werden kann. Wenn wir von vorneherein die Bedingungen so setzen, dass es leichter fällt, unseren Vorsatz wirklich einzuhalten.