5 Tipps, um Meditation zu einer neuen Gewohnheit zu machen

„Ich fühle mich großartig!“ sagen viele, die zum ersten Mal in unserem Zen-Zentrum meditieren. Die Meditation hat ihnen gut getan, die meisten wollen weitermachen. Erfahrungsgemäß wird es aber nur eine von den 15 Anwesenden schaffen, weiter zu meditieren. Meistens sind … Weiterlesen

Das Zen des Buchschreibens

Mein Buch versteckt sich nicht mehr im Kopf, es hat sich am Papier materialisiert. Eines Morgens um 10.41 befreite es sich aus meiner Obhut und ist den ersten Schritt in die Welt – zum Lektorat des Verlages – hinaus gegangen. … Weiterlesen

Surfen auf dem Rhythmus Deines Körpers

Chi-Zyklus

Chi-Zyklus

Hörst Du auf Deinen Körper? Wenn ja, dann gelingt Dir vieles leichter. Um 11 Uhr in der Nacht Holzhacken und um 9 Uhr meditieren, das funktioniert beides nicht so recht. Sehr oft leben wir gegen unseren Körper, weil wir gar nicht so klar erkennen, was ihm gut tut. Ja und weil wir nicht anders können. Seit ich mein Angestelltendasein vor mehr als zwei Jahrzehnten an den Nagel gehängt habe, kann ich freier meinen Tagesablauf einteilen, da bin ich privilegiert.

Es gibt eine innere Uhr, die unseren Tagesrhythmus optimal steuert. Die alten Chinesen haben das schon vor Jahrtausenden entdeckt und Chi-Zyklus genannt.  In diesem Zyklus ist jeweils ein anderes Organ zu einer bestimmten Tageszeit aktiv und das wirkt sich auf unseren Energie-Level (Chi) aus. Wenn Du die Rhythmen Deines Körpers kennst und sie beachtest, dann wird er Dir helfen, Dich wohl zu fühlen und vieles effektiver zu tun.

Was ich für mich daraus gelernt habe sind ein paar einfache Dinge, nach denen ich jetzt meinen Tag ausrichte.

5.00-7.00: Der Tag beginnt am besten zwischen fünf und sieben Uhr. Da ist Transformationszeit. Je früher wir aufstehen und uns Zeit für uns selber nehmen, desto mehr Energie haben wir, um etwas in unserem Leben zu verändern. Das ist die Zeit, die ich ganz für mich habe. Das kann Sport sein oder mit einer stillen Tasse Tee in den Garten schauen oder meditieren.

7.00-9.00: Von 7 bis 9 Uhr nehme ich mir viel Zeit zum Frühstücken, Duschen, Hausarbeit, ein paar Gymnastikübungen etc., alles ganz gemächlich. Das ist die Zeit, in der ich nachdenke, was ich an diesem Tag machen will/muß.

9.00-11.00: Um 9 Uhr starte ich mit viel Energie los. Da ist Aktivität angesagt. Da sprudeln die frischen Ideen, da packe ich neue Projekte an, entwerfe Präsentationen, organisiere Seminare etc. Das ist die Zeit, in der mich niemand stören darf.

11.00-13.00: Von 11 Uhr bis Mittag ist Herzzeit. Da sind wir zwar noch immer in einer hohen Aktivitätsphase, aber etwas anders. Jetzt können wir gut mit Menschen reden. Das ist die richtige Stunde, um Kunden anzurufen und um Meetings abzuhalten. Wenn es einen Konflikt mit einem Kollegen gibt, dann ist jetzt die beste Zeit, eine Aussprache mit ihm zu suchen.

13.00-15.00: Interessanterweise sagen die Chinesen, dass sich der Tag schon ab 13 Uhr in die Yin-Phase dreht. Das bedeutet, dass ab jetzt bis zum Schlafengehen alles in ruhigeren Gewässern laufen soll. Nach dem Mittagessen Ausruhen, einen Spaziergang machen, etwas lesen. Ich gehe da am liebsten in die Natur oder drehe zumindestens eine Runde um den Block.

15.00-17.00: Jetzt kommt noch einmal ein kleines Zwischenhoch, da steigt unsere Leistungskurve wieder an. Doch sollten wir nichts Neues in Angriff nehmen. Ich gehe da noch einmal eine Präsentation durch, höre ein Podcast an oder redigiere einen Artikel, den ich am Vortag begonnen habe.

17.00-19.00: Ab fünf Uhr sollten wir langsam abschalten, auch den Computer. Musik hören, Klavier spielen, herumtändeln. Nach und nach gleite ich in den Abend. Das Verrückteste wäre jetzt am Abend nach der Arbeit noch ins Fitness-Studio zu gehen und bei Neonlicht den Körper aufpumpen. Dann könnten wir garantiert nicht gut einschlafen.

19.00-21.00: Jetzt sollte wirklich Feierabend einkehren. Keine aufregenden Events mehr. Am liebsten bin ich da zu Hause – leider viel zu selten -, meditiere und sitze in meinem Lieblingsfauteuil, lese etwas oder höre eine Schubert-Symphonie.

Leider sieht der Tag auch bei mir oft anders aus. Am Vormittag intensiv arbeiten, das kriege ich noch ganz gut hin. Doch am Abend wird es bei mir oft hektisch. Ich fahre ins Zen-Zentrum oder halte einen Vortrag. Wenn ich mit Menschen zusammen bin und einen Vortrag halte, bin ich ein Adrenalin-Bündel. Selbst wenn ich vor Mitternacht ins Bett komme, wälze ich mich oft herum bis 3 Uhr früh. Dabei sollte ich schon ab 11 Uhr längst in Morpheus‘ Armen sein. Und ja, am nächsten Morgen bin ich dann nicht so gut drauf.

Doch seit ich den „idealen“ Tagesablauf kenne, drehe ich den Computer ein bisschen früher ab und nütze die aktiven Zeiten ein bisschen mehr. Und die Zeit zwischen 11 und 13 Uhr ist wirklich ideal zum Telefonieren, das kann ich Euch empfehlen!

Danke und mata ne (bis bald)!

Mein Buch. Fünf Beobachtungen

Viele blicken jetzt auf das vergangene Jahr zurück. War es ein gutes Jahr? Was hat Euch bewegt? Mich hat mein Buch bewegt. Schon seit Anfang Jänner 2016. Zur Vorgeschichte. Schon lange dachte ich daran, ein Buch zu schreiben. Nicht aus der Motivation, … Weiterlesen

Wieviel Minimalismus ist sinnvoll?

mlm-gross-cropMinimalismus ist in Mode. Wie reagieren Sie, wenn Sie zu Weihnachten die dritte Designer-Zitronenpresse bekommen? So manche sagt dann:  Zu viel, zu viel!  Bücher, Geschirr, Kleider, alles in 10facher Ausfertigung, ich bekomme keine Luft mehr!
Daher liegt Minimalismus im Trend, in besonders radikaler Form aber unter jungen Japanern.

mlm-mittel-cropSchon viele Jahrhunderte lang steht  Zen für radikale Vereinfachung. Keine Schnirksel Schnörksel, jede Form funktionell und ästhetisch auf den einfachsten, elegantesten Nenner gebracht. Leere Räume. Alles was nicht gebraucht wird, wird verborgen und in doppelten Wänden, Schränken, Lager verstaut.
Inzwischen, das erfährt jeder Japanreisende, haben sich viele japanische Wohnungen aufgrund des beengten Platzes in angeräumte Abstellkammern entwickelt. Manche jungen Leute haben in ihrem einzigen kleinen Raum Computer, Bücherregale, das Surfbrett, das Fahrrad und das Snowboard übereinander gestapelt. Von Leere keine Spur.

mlm-kurz-cropNun greifen junge Japaner die alte Idee wieder auf, die Wohnung radikal zu entmisten. Sie leben in fast leeren Wohnungen. Sie lesen Bücher nur mehr digital, verwenden nur einen einzigen Topf und eine Herdplatte zum Kochen und leihen sich alles, was sie brauchen, aus. Auch im Kleiderstil kommen sie mit einigen Hemden und Hosen aus: Elisa Sasaki z.B. limitierte ihren Kleiderbestand radikal, nachdem sie ein Jahr im Ausland gelebt hatte und mit einer kleinen Reisetasche auskommen musste: „Wenn Du etwas besitzt, hast du auch die Verantwortung dafür. Daher ist es wichtig, die Dinge die Du besitzen willst, sorgfältig auszuwählen. Dann hast Du Kapazitäten für die Dinge, die Dir wirklich wichtig sind“. Ein anderer junger Japaner, Katsuya Toyota, lebt in seiner 22 m2 Wohnung nur mit einem Tisch und einer Matratze. Er sagt: „Ich wurde Minimalist, damit ich nur mehr Dinge besitze, die ich liebe.“ (Bilder dazu http://www.bbc.com/news/in-pictures-36574697).

Hinter dem Minimalismus der jungen Japaner steht häufig gar nicht so sehr die Idee des Ausmistens, sondern die Sehnsucht danach, den Wert der Dinge wieder zu spüren und zu schätzen. Minimalismus bedeutet für sie, nur mit schönen Dingen einfach zu leben, eine Idee des ästhetisierten Zen. Ein zweiter Aspekt ist, dass Dinge nicht mehr so viel Aufmerksamkeit benötigen. Je mehr man besitzt, desto mehr Arbeit geht drauf, den Besitz zu verwalten, zu verbessern, zu reinigen. Je weniger man besitzt, desto mehr Zeit wird frei, um sich Freunden zu widmen und Erfahrungen zu machen. Vom verdichteten, „sicheren“ Materiellen verschiebt sich das Leben ins Prozesshafte, Unsichere, aber auch Lebendige. Was benötigt wird, wird „geshared“, ausgeliehen oder nur kurze Zeit verwendet und wieder verkauft. Das ist auch unter jungen Europäern häufig so.

Einer dieser jungen Japaner ging sogar so weit, seinen Kühlschrank herzuschenken. Als dann der Sommer kam, musste er erkennen, dass ein Kühlschrank doch ganz praktisch ist. Da frage ich mich doch, wie viel Minimalismus ist sinnvoll?

Vor einigen Tage hörte ich ein Kabarettprogramm. Der Kabarettist sagte: „Vor unserer Türe stehen die „hungrigen“ Inder und Chinesen, die etwas im Leben erreichen wollen. Zu denen sage ich: „Was wollt Ihr denn? Ich habe eh genug“.

Ein Satz, bei dem ich zwei Mal hinhorchen musste, der es aber in sich hat. Wir fühlen uns zum Minimalismus hingezogen, weil wir so viel haben, andere sehen das sicherlich nicht gleich.

Ich sehe da Parallelen in der Entwicklung der japanischen Teezeremonie, wie wir sie heute kennen.

Sie wird oft gepriesen ob ihrer „einfachen“ Ästhetik. Nur das Wesentliche ist in einem Teeraum vorhanden. Einfache Gegenstände, diese aber von höchster Eleganz, werden verwendet. Eine einfache Schale aus grober Keramik, ein Holzkästchen aus Lack ohne Verzierung, für diese Einfachheit steht die minimalistische Ästhetik.

Bevor der „Minimalismus“ in der Teezeremonie Einzug hielt, sah es jedoch ganz anders aus: Shogun Toyotomi Hideyoshi liebte großen Prunk. Er ließ sich einen Teeraum bauen, wo alle Gegenstände aus Gold hergestellt waren – ausgenommen dem Teebesen aus Bambus,  einem weissen Tuch und einem hölzernen Wasserschöpfer. Die Wände waren vergoldet und die Papierschiebewände nicht mit weissem Papier, sondern mit einem roten Teppich bespannt. Genau zu dieser Zeit trat der Reformer Sen no Rikyu auf. Er führte den schmucklosen Teeraum ein und entkleidete die Utensilien allen zusätzlichen Schmucks. Er schuf die radikal minimalistische Teezeremonie, wie wir sie heute kennen.

Ungefähr an so einem Punkt stehen wir heute auch. Jene Menschen, die zu viel haben, träumen vom einfachen Leben. Doch wirklich tauschen möchte wohl niemand mit einer chinesischen Fabriksarbeiterin, die in einer Einzimmerwohnung nur mit dem Nötigsten lebt .

Daher ist meine heutige Erkenntnis: Die Sehnsucht nach Minimalismus wächst nur auf dem Boden des Überflusses.

 

 

 

 

Das Geschenk annehmen

„Drei Tage lang haben wir nur Eier gegessen!“ erzählte mir ein Freund, der vor kurzem in einem japanischen Zen-Ausbildungskloster als Mönch gelebt hatte. Zen-Mönche leben nur von Spenden. Nichts wird dazu eingekauft. Gegessen wird das, was Bauern und Kaufleute dem … Weiterlesen

Zen an der Kasse

Der Scort berichtet....

Der Scout berichtet….

Daniel hatte es mir schon vor sechs Monaten erzählt. Er ist Künstler und hatte sich als regelmäßige Einkommensquelle einen Knochenjob ausgewählt. Und er verstand ihn als Zen-Übung.

800 Kunden pro Tag, blitzschnell die Waren über die Kasse ziehen, im Kopf das Wechselgeld ausrechnen – das wird dort nicht am Terminal angezeigt – und dabei nicht die Nerven verlieren. Das ist seine tägliche Arbeit an der Supermarktkasse von Hofer (in Deutschland Aldi). Die Herausforderung ist nicht nur die Schnelligkeit der Arbeit bei wenig Platz zum Abstellen, sondern die Befindlichkeit der Kunden. An der Kasse schafft sich so mancher ein Ventil für den Lebensfrust und lässt seinen Ärger am Kassenmann und an der Kassenfrau aus. Dieser könnte leicht grantig werden (deutschdeutsch: übellaunig werden) oder … man macht es so wie Daniel.

Daniel sieht es als gute Übung bei sich zu bleiben, sich auf den Atem zu konzentrieren und dabei gleichzeitig zu achten, was der Mensch vor ihm braucht. Eine Übung der vollkommenen Achtsamkeit, schwierig bei einem Takt von 30 Sekunden pro Einkauf. Vor einigen Tagen schickte ihm ein Freund einen kleinen Artikel der Tageszeitung Kurier mit der Anmerkung „Damit bist wohl Du gemeint.“ Im Artikel schreibt ein Gastrokritiker sein Erlebnis bei Daniel an der Kasse:

„Schnell was einkaufen bei Hofer, Nussdorfer Straße 4, Wien 9. „Grüß Gott“ sagt der junge Mann an der Kasse und schaut mir dabei in die Augen. Dann greift er zuerst auf das Papiersackerl,  das weiter hinten am Förderband liegt, zieht es über die Kassa, faltet es auf, stellt es auf die Ablage. Piep, piep, piep, steckt er meine Einkäufe auch gleich ins Sackerl. Bitte, danke, auf Wiedersehen, schönen Tag, wieder ein Blick in die Augen. Wow, so nett kann so eine Kassen-Begegnung sein, trotz aller Schnelligkeit.“

Wenige Tage später sieht Daniel einen Vater mit zwei quicklebendigen Kindern und einem Riesen Einkauf. Er denkt sich, „Da muss ich helfen. Der schafft es nicht alleine“, zieht wieder das Sackerl über die Kasse und räumt die Waren gleich ein. Als der Kunde zahlt, sagt dieser: „Na, haben Sie sich über den Artikel gefreut?“ Darauf Daniel: „Sind Sie der Redakteur?“ Nein, sagt der Kunde, „Ich bin der Verleger“.

Daniel erzählte uns die Geschichte bei unserem Sommerfest und wir freuten uns alle mit. So kann Zen-Meditation die Welt verändern – im Kleinen wie auch im Großen.

Hallo Fleur! Hallo Blume!

LungenkrautIch habe ein neues Hobby. Bei meinen ersten Spaziergängen im Wald hat es angefangen. Ausgehungert vom langen Winter war die Begegnung mit den ersten Frühlingsgeborenen etwas ganz Besonderes. Eine, die mit blauen und rosa Blüten aus einer Schneewehe wuchs, schien zu sagen: „Hallo Fleur! Es ist zwar noch ein bisschen kühl, aber… da bin ich!“ „Hallo Blume, dachte ich! Ich habe schon andere Deiner Art im Vorjahr gesehen, aber ich weiss gar nicht, wie Du heißt!“  So kam es, dass ich genau wissen wollte, wie alle die Blumen heissen, die am Wegesrand blühen.

Bei Schneerosen, Frühlingsknotenblumen und Veilchen konnte ich noch die Erinnerungskiste aus meiner Schulzeit durchstöbern. Damals hatten wir in der Biologiestunde Ausflüge in die umliegenden Wiesen und Wälder gemacht, um Pflanzen zu bestimmen. Viele andere Blumen kannte ich aber nicht. Ich hätte eine Blumen App nützlich gefunden, fand aber keine. Zu Hause hatte ich noch zwei Pflanzenbestimmungsbücher von früher. Manche kennen noch den Titel des Buches „Was blüht denn da?“. Das Buch wollte ich jedoch nicht mitschleppen. Also war mein Prozedere so. Ich richtete auf WhatsApp eine Gruppe ein, die ich „Blumen“ taufte. Ich fotografierte die Blume, sah zu Hause in den Bestimmungsbüchern nach, schrieb den Namen der Blume in die Beschriftungszeile und schickte sie an meine „Blumen“- App. So habe ich jetzt schon eine Chronologie von Blumen der letzten drei Monate und kann im nächsten Frühjahr wieder bei den Märzblühern beginnen, nachzusehen.

Das ist fein, jedoch lernte ich auch etwas daraus. Ich lernte wie wichtig es ist, genau zu beobachten. Es genügt nicht, eine Blume zu fotografieren. Zu Hause bemerkte ich, dass es einen großen Unterschied macht, ob der Stängel hohl oder gefüllt, eckig oder rund ist. Und die vielfältigen Blätterformen! Sie spielen eine große Rolle um zu erkennen, ob ich eine Zypressen-Wolfsmilch, eine Sonnenwend-Wolfsmilch oder eine mandelblättrige Wolfsmilch vor mir habe. (Ich habe noch viel zu tun, denn es gibt weltweit  2160 Wolfsmilch-Arten!)

Den Blumennamen zu bestimmen heißt, die Blume von allen Seiten zu betrachten.

Allerdings ist das so eine Sache mit Namen und Begriffen. Wenn der Name einmal bestimmt ist, könnte es sein, dass ich die Zypressen-Wolfsmilch später nicht mehr genau ansehe, denn das Kapitel ist dann abgehakt.

Neulinge der Zen-Meditation fragen mich oft, ob ich ein Buch über Zen empfehlen kann. Dann sage ich „Nein, jetzt nicht. Mache zuerst Deine eigenen Erfahrungen. Beobachte selbst, was passiert.“ Wenn man mit einem Buch seinen Zen-Weg beginnt, kann der Text des Autors den eigenen Blick färben oder sogar verdecken.

Bei meinen Blumen wird das anders sein. Nächstes Jahr, wenn aus der Schneewehe meine Blume wächst und sie sagt: „Hallo Fleur!“, Dann kann ich ihr antworten: „Hallo Hänsel und Gretel! Jetzt weiss ich wie Du heisst. Schön, Dich wieder zu sehen!“

 

Was ist ein (Zen-) Meister?

Hat ein Hund die Zen-Meisterschaft?

Wuff!

Immer öfter bezeichnen mich Menschen als Zen-Meisterin. Kürzlich stand es in einem Magazin, auf Videos wurde ich so genannt und mündlich sowieso.  Besonders interessant fand ich, dass mich jemand „meine Zen-Meisterin“ nannte, so etwa wie „meine Personal Trainerin“. So als ob es heute dazugehörte, „seine Zen-Meisterin“ in der Nähe zu haben.

Ich bin keine Zen-Meisterin.

Doch woher kommt diese Bezeichnung?

Im japanischen Zen gibt es die Bezeichnung „Zen-Meister“ nicht. Es gibt Funktionsbezeichnungen wie z.B. Roshi oder Osho (Tempelvorsteher). Viele Roshis nennen sich aus Bescheidenheit Osho.

Im bekannten Koan Nr.1 der Sammlung Mumonkan heisst es: „Ein Mönch fragt Joshu: ‚Hat ein Hund Buddhanatur?'“ (Joshu osho, chinami ni so tou, Kusu ni kaette bussho ari ya?)… Dort ist Joshu nicht Zen-Meister, sondern Osho, so wie alle „Zen-Meister“ in den Koan-Sammlungen. Nur Bodhidharma heisst Daishi, „Grosser Lehrer“.

Trotzdem sprechen wir im Deutschen und Englischen von Zen-Meistern. Wussten Sie, dass das eine recht junge Bezeichnung ist? Im englischen Wikipedia heisst es: „Zen master is a somewhat vague English term that arose in the first half of the 20th century…“ Die Bezeichnung ist also vage und noch gar nicht alt.

Was ist ein Meister im Deutschen? Es gibt in vielen Berufen Meister, es gibt Malermeister, Kapellmeister, Zeremonienmeister, Kerkermeister und  Bürgermeister. Schon im Althochdeutschen gab es den „Meistar“, der mit dem lateinischen Magister zusammenhängt. Damit wurden leitende Handwerker bezeichnet.

Im allgemeinen bezeichnet man laut Verein für deutsche Sprache jemanden, dem die Aufsicht oder die Leitung von etwas betraut ist. Die Art des Anvertrauten wird durch Zusammensetzung wiedergegeben (vgl. Kerkermeister, Stallmeister).

Vom Gebrauch dieser Bezeichnungen zu schließen, wäre ein Zen-Meister dann jemand, der einem Zen-Zentrum oder Zen-Kloster vorsteht.  Ein Lehrer oder Leiter.

Doch schwingt noch ein zweiter Aspekt mit. Es ist das Meistern und die Meisterschaft und dass jemand „ausgelernt“ hat.  Ja, es gibt Curricula und äussere Faktoren, nach denen die Ausbildung auch im Zen beurteilt werden kann. Doch nur um die Ausbildung geht es nicht. Ein Zen-Meister  ist nach diesem zweiten Aspekt jemand, der eine tiefe Einsicht gewonnen hat und diese auch Tag für Tag in seinem Leben bezeugen kann.  Viele Menschen stellen sich vor, dass er unfehlbar und vollkommen sei, ein abgehobenes Bild, dem kaum ein lebender Mensch genügen kann.

Jemand hat einmal Zen mit dem Ozean verglichen. Je mehr man in ihn hineingeht, desto mehr erfasst man seine unendliche Weite und Tiefe.

Vor diese Aussage frage ich Sie: Ist es möglich, Zen zu meistern? Und: „Hat ein Hund Zen-Meisterschaft?“

Wuff!

 

Anhaften – auch an Werten?

Jetzt ist es wieder passiert. Und es hat mich zum Nachdenken gebracht. Aber alles der Reihe nach. Vor einiger Zeit hatten wir im Zen-Zentrum eine spezielle Tee-Zeremonie mit Matcha-Tee, dem grünen Pulvertee.  Ich hatte einen besonders guten Matcha-Tee, Süßigkeiten aus Japan … Weiterlesen